Wolfgang Seelbach
Wolfgang Seelbach

Schulklima

Stinkende Schulklos

Mein Kommentar

Wer einmal ein versifftes Schulklo mit eigener Nase erlebt hat, in dem Urin- und Fäkaliengestank so in den Wänden hängt, dass auch Reinigungs- und Geruchsmittel nicht mehr helfen, wird das wohl kaum als Nebensache abtun.

Wenn Kinder der ersten und zweiten Klasse sich vor Ekel nicht mehr aufs Klo trauen und Gefahr laufen, sich einzunässen, ist die morgendliche Freude, zur Schule zu gehen, schnell vorbei. Da helfen Bemühungen der Lehrkräfte ein möglichst angenehmes Schul-Klima im Unterricht zu schaffen nur noch bedingt.

In solchen Fällen hilft es nicht mehr, andere Putzmittel zu verwenden oder die Reinigungsfirma zu wechseln. Hier muss grundsaniert werden. In Gemeinden mit wenig Geld müssen dann eben die Investitionsprogramme vom Bund oder vom Land verwendet werden.

Auf diese Notwendigkeit einer Grundsanierung an einigen Schulen habe ich in Interviews mit der Presse und dem Radiosender B2 hingewiesen.

Ich bin aber noch auf ein anderes Verschmutzungs-Problem eingegangen, das nicht nur Schulklos betrifft und das zumindest teilweise pädagogisch gelöst werden kann.

Schüler neigen dazu, im offenbar unbeobachteten Freiraum Sprüche und Symbole zu tapen, Klorollen auszurollen und anderen vermeintlichen Spaß zu treiben. Erwachsene machen das übrigens auch, man braucht nur mal an die Klos in Bierkellern oder Musikkneipen denken.

Dieses Verhalten lässt sich sicherlich nicht ganz abstellen. Aber die Erfahrung zeigt, dass an den Schulen, an denen die Kinder und Jugendlichen für die Sauberkeit mitverantwortlich sind, Verschmutzung und Zerstörung viel niedriger ist. Das hat etwas mit Einsicht, aber auch Kontrolle durch die Mitschüler zu tun.

Wenn Schulleitung, Lehrkräfte, Hausmeister und Sozialarbeiter(in) an einem Strang ziehen, kann es gelingen, dass auch die Schülerschaft Verantwortung für Ordnung und Sauberkeit zeigt – umso mehr, wenn das Schulklima insgesamt positiv ist und Partizipation auch im Unterricht und der Schülermitwirkung gelebt wird.

Bei einem Schulklima, in dem Regeln nicht wirklich akzeptiert sind, sondern nur unter Druck eingehalten werden, wird es immer wieder bewusste oder unbewusste Regelverletzungen in unbeobachteten Bereichen geben. Da ist das Schulklo prädestiniert.

Es gibt Schulen, an denen es ein gutes Schulklima gibt. An denen kann man sich orientieren, jede Schule sollte aber letztlich seinen eigenen Weg finden. In dem Zusammenhang ist es auch nicht verkehrt, wenn eine Potsdamer Schule eine Schülerfirma mit der Kloreinigung beauftragt. Ein Königsweg ist das allein aber nicht, es muss in ein partizipatives Gesamtkonzept eingebettet sein.

Wolfgang Seelbach, 28.2.2018

Radio B2: Kurzinterview mit Wolfgang Seelbach, Thema Schulklos
Mitschnitt_20180227_1625_Schulklos in Br[...]
MP3-Audiodatei [1.8 MB]

Aus der Presse:

 

BZ: Toilettengebühren in Schulklos? Brandenburg sagt nein!

"Trotz zum Teil unzumutbarer Zustände haben sich Vertreter von Schülern und Lehrern in Brandenburg gegen Toilettengebühren ausgesprochen. Auch wenn es richtig schlimme Zustände nur an einzelnen Schulen in Brandenburg gebe, sagt Landesschülersprecher Maurice Heilmann aus Erkner (Oder-Spree).

„Es gibt es einen Rahmenhygieneplan und der wird an den meisten Schulen eingehalten”, sagt der Gymnasiast mit Blick auf die Reinigung.

„Den Gestank nach Urin und Fäkalien kriegt man da einfach nicht mehr raus“

„Manche Toiletten sind aber so alt und versifft, da hilft auch das tägliche Putzen nicht. Den Gestank nach Urin und Fäkalien kriegt man da einfach nicht mehr raus”, betont Bildungsexperte Wolfgang Seelbach aus Dallgow-Döberitz (Havelland). Oft helfe nur noch eine Sanierung. Ihm seien Fälle von Grundschülern bekannt, die sich in die Hosen machten, weil sie sich den Gang zum Klo verkniffen.

„Ein klares Nein”, sagte Landesschülersprecher Maurice Heilmann zu einem Toilettenfrau-Modell, wie es etwa im hessischen Marburg praktiziert wird. Es solle selbstverständlich sein, dass die Schulträger für saubere Klos sorgen. Auch Elternsprecherin Ulrike Schwenter lehnt Gebühren mit Verweis auf einen „fraglichen Lerneffekt” ab. Schlimme Zustände seien in Brandenburg eher die Ausnahme, so Heilmann.

In Potsdam ergreifen Waldorfschüler selbst die Initiative. Mit ihrer Firma „Putzdamer” reinigen sie die Klos selbst – zur Zufriedenheit aller. ...

siehe auch Berliner Kurier   und   Märkische Oderzeitung

MAZ 27.2.2018: Kinder meiden versiffte Schulklos

 

... Auch an der Gesamtschule in Dabendorf (Teltow-Fläming) seien die Toiletten immer wieder ein Thema, sagt Landeselternsprecherin Ulrike Schwenter. Dort werde nur das Nötigste gemacht, da ein Neubau geplant sei. „Ich bin mir sicher, es gibt noch einige andere Toiletten, die im Argen liegen“, so Schwenter. ...

 

Potsdamer Schüler putzen selbst

In Potsdam greifen die Waldorfschüler selber zu Klobürste und Putzlappen. „Nachdem die Putzfee unserer Schule in Rente ging, wurde eine Schülerputzfirma gegründet. Etwa 15 bis 20 Schüler arbeiten dort“, berichtet Lehrerin Anne Mcdonough. ...

Wolfgang Seelbach hält die Eigeninitiative von Schülern für sehr sinnvoll. „Wenn sie sich selbst organisieren und auch an der Reinigung ihrer Schulen beteiligt werden, ist das pädagogisch wertvoll. Ein bisschen sollte die Schule ja auch aufs Leben vorbereiten“, so Seelbach. ...

Elternsprecherin Schwenter sagt, Schüler und Eltern hätten sich mit den „leidlichen Zuständen“ abgefunden. „Oft gibt es dringendere Sachlagen wie zum Beispiel Stundenausfall und Lehrermangel“.

siehe auch Berliner Zeitung

Grüne im Kreistag HVL
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