Wolfgang Seelbach
Wolfgang Seelbach

Mehr Studienplätze für Lehrkräfte? Unis sind skeptisch!

 

Die Unis in Berlin und Potsdam haben skeptisch auf das Ansinnen von Politik und Elternschaft reagiert, die Anzahl der Plätze für Lehramtsstudenten deutlich zu erhöhen.

 

„Mit dem versprochenen Mittelzuwachs wäre es unmöglich, die Zahl der Absolventen pro Jahr … auf jetzt verordnete 2000 zu steigern.“ verlautet es aus HU und FU (pnn 2.11.2016, S.20)

 

Der Vize-Präsident der Uni Potsdam geht sogar noch weiter. „Grundsätzlich“ bilde seine Uni nicht zu wenig aus. „Es kann natürlich sein, dass aktuell, wenn viele Lehrer in den Ruhestand gehen, die Potsdamer Absolventen nicht ausreichen“.

 

Er hält ein kurzfristiges Hochfahren der Studentenzahlen nicht für möglich, warnt vor „Überkapazitäten“ und verweist auf die Fluktuation in den Bundesländern. Die Fehler der Vergangenheit sieht er nicht bei der Uni, sondern bei der „Landespolitik“.

 

Grundsätzlich wäre die Uni aber bereit, bei entsprechenden „Entscheidungen“ der Politik, mehr Lehrkräfte auszubilden, „Lehrerbildung“ sei schließlich „unser Kerngeschäft“.

Eine Pädagogische Hochschule lehnt er ab, „weil sie der Wissenschaftlichkeit der Lehrerbildung keine Rechnung trägt“. (pnn 2.11.2016, S. 21)

 

 

Mein Kommentar zum Interview mit Herrn Musil:

Zunächst einmal freut es mich, dass Herr Musil, Vizepräsident der Uni Potsdam, Lehrerbildung als Kerngeschäft ansieht und auch grundsätzlich bereit, bei entsprechenden Vorgaben der Politik mehr Lehrkräfte auszubilden.

 

Allerdings geht er nicht auf den Ernst der Lage ein. Weder Berlin noch Brandenburg waren in der Lage, ausreichend Lehrkräfte für das begonnene Schuljahr zu finden, so dass in erheblichem Umfang Quereinsteiger eingestellt werden mussten. Es sieht alles danach aus, dass sich die Lage in den nächsten Jahren verschärft. Die bisherigen Überkapazitäten aus Bayern und Baden-Württemberg werden voraussichtlich nicht mehr wie bisher zur Verfügung stehen.

 

Angesichts dieser Situation davor zu warnen, „vorschnell groß hochzufahren“ und „langfristig Überkapazitäten [zu] schaffen“ ist eine Botschaft zur Unzeit. Wir haben genau das gegenteilige Problem, nämlich Unterkapazitäten bei der Lehrkräfteausbildung.

 

Herr Musil verweist auf die Fluktuation zwischen den Bundesländern. „1000 Absolventen wären nicht 1000 neue Lehrer für das Land.“ Richtig, aber wenn alle Bundesländer in der Vergangenheit zu wenig ausgebildet hätten, wären Unterversorgung und Bildungsnotstand schon längst Realität.

 

Er sagt, es sei ein „wichtiger Weg“, Lehrkräfte „aus anderen Bundesländern anzuziehen“ und ignoriert, dass das in Zukunft so nicht mehr möglich ist, da in allen Bundesländern Lehrkräftemangel herrscht.

 

Er übt harsche Kritik an dem Konzept der Pädagogischen Hochschulen. Gleichzeitig empfiehlt er, Lehrkräfte aus anderen Bundesländern anzuwerben – Lehrkräfte, die teilweise an Pädagogischen Hochschulen ausgebildet wurden. Das erscheint unglaubwürdig.

 

Die Uni Potsdam hat sich in der Vergangenheit einen guten Ruf bei der Lehrkräfteausbildung erworben. Umso enttäuschender ist es, dass detailliert gegen eine weitere Erhöhung der Ausbildungsplätze argumentiert wird, ohne die Dringlichkeit der Kapazitätenausweitung anzusprechen.

 

Wolfgang Seelbach, 2.11.2016

 
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